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Bibliolog
Biblischen Figuren eine Stimme geben – und die Geschichte aus ihrer Sicht neu hören.
Leitfrage
Wie fühlt es sich an, in dieser Geschichte zu stehen?
Was ist Bibliolog?
Bibliolog ist eine dialogische Form, die Bibel gemeinsam zu lesen. Die Leitung führt durch einen Bibeltext – wie eine Reiseleiterin oder ein Reiseleiter an einem fremden Ort. An ausgewählten Stellen bleibt die Gruppe stehen und richtet den Blick auf eine Figur der Geschichte. Alle sind eingeladen, sich in diese Person hineinzuversetzen und ihr die eigene Stimme zu leihen. Dabei wird nicht über den Text gesprochen, sondern aus ihm heraus.
Vorwissen braucht es nicht. Es gilt: Jede und jeder darf, niemand muss. Alle bleiben auf ihrem Platz; die Geschichte spielt sich auf einer inneren Bühne ab, auch bei denen, die nur zuhören. Was gesagt wird, ist wertvoll und wird nicht als richtig oder falsch beurteilt. So stehen verschiedene Sichtweisen nebeneinander.
Bibliolog oder Bibliodrama? Der Bibliolog bleibt am Platz und dauert ca. 2 Stunden; im Bibliodrama bewegt sich die Gruppe im Raum, ca. 3–4 Stunden.
So läuft ein Bibliolog ab
- Die Leitung erklärt kurz, wie Bibliolog geht, und führt erzählend in Zeit und Ort der Geschichte ein.
- Sie liest den Text Abschnitt für Abschnitt. Bei einer Figur hält sie inne und spricht alle als diese Figur an – etwa: «Du stehst jetzt am Weg. Was geht dir durch den Kopf?»
- Wer möchte, antwortet aus der Sicht der Figur, in der Ich-Form.
- Die Leitung nimmt jede Antwort auf und gibt sie in eigenen Worten wieder, damit sie für alle noch einmal hörbar wird. Bei Bedarf fragt sie nach, ob sie richtig verstanden hat.
- Die Figur wird verabschiedet, und die Geschichte geht weiter – bis zur nächsten Figur.
- Zum Schluss erzählen alle, was ihnen geblieben ist: wie Bilder in einem Fotoalbum.
Schwarzes und weisses Feuer
Im Bibliolog ist vom schwarzen und vom weissen Feuer die Rede. Das schwarze Feuer ist der geschriebene Bibeltext; er bleibt unverändert. Das weisse Feuer sind die Leerstellen und Zwischenräume – das, was der Text nicht ausspricht. Genau dorthin zielen die Fragen an die Figuren. So wird der Text mit den Erfahrungen der Teilnehmenden neu gelesen, ohne beliebig zu werden: Er selbst gibt den Rahmen vor.
Auch online
Bibliolog ist auch online möglich, als Videokonferenz. Alle nehmen von zu Hause aus teil; die innere Bühne entsteht auch vor dem Bildschirm.
Herkunft
Entwickelt hat den Bibliolog in den 1980er-Jahren Peter Pitzele, ein jüdischer Psychotherapeut und Bibliodramatiker aus den USA. Er knüpfte an das Denken des jüdischen Midrasch an: Die Schrift sagt mehr, als ausdrücklich dasteht. Im deutschsprachigen Raum hat vor allem die Theologin Uta Pohl-Patalong die Methode bekannt gemacht. Bibliolog wird nur nach einer entsprechenden Ausbildung geleitet.
Was Sie als Gastgeber beitragen
Raum und Einladung, auf Wunsch Getränke. Die Teilnehmenden bringen, wenn vorhanden, eine eigene Bibel und Schreibzeug mit.
Mehr zur Methode
Der Verein macht Bibliolog in der Schweiz bekannt, bildet aus und erklärt Methode und Geschichte.
Netzwerk Bibliolog Schweiz (externe Website, öffnet in neuem Tab)Impulse zum Ausprobieren
- Lukas 10,25–37
Der barmherzige Samariter
Wem werde ich zum Nächsten – auch wenn es mich etwas kostet?Ein Mann liegt verletzt am Weg. Zwei gehen vorbei. Einer bleibt stehen. - Lukas 15,11–32
Der Vater läuft entgegen
Wann fühle ich mich zugehörig – auch wenn ich Fehler gemacht habe?Ein Sohn hat alles verspielt und traut sich kaum heim. Doch jemand wartet schon auf ihn.